Die Damen warten - An den Hamburger Kammerspielen stellt Kai Wessel eine bittere These von Sibylle Berg für die Frau ab 40 in den Raum

Die Proseccohölle

von Falk Schreiber

Hamburg, 26. Januar 2014. "Es geht darum, anerkannt zu werden. Wir wissen nur noch nicht genau, für was." Das kann sie, die Sibylle Berg: Punchlines raushauen, die in aller gebotenen Härte ins Mark treffen. Noch eine? "Mein Haus befindet sich in einer Sackgasse ... Das klingt jetzt fast wie ein Sozialdrama auf Arte!" Und noch eine: "Und dann sind die Reize weg, mit 40, sagen wir. Und dann beklagen sich die unterfickten Damen, dass wir sie nicht mehr wahrnehmen." Obwohl, Moment, das ist gar keine Punchline, das sind echte Sätze, die eine echte Figur spricht in Bergs "Die Damen warten". Sätze, aus dem Mund des einzigen Manns, der in den Hamburger Kammerspielen auf der Bühne steht: Masseur Horst, der den wartenden Damen erst einen schönen Entspannungsnachmittag bereitet, sie dann mit einem Schwall Misogynie überschüttet und ihnen schließlich den Weg in die Proseccohölle weist.